Die deutschen Supermarktketten EDEKA, LIDL, REWE und ALDI importieren Erdbeeren aus Spanien zu jeder Jahreszeit - selbst im Winter. Ein Drittel der in Spanien angebauten Erdbeeren landet in deutschen Supermärkten. Um diesen Bedarf zu decken, pumpt die spanische Agrarindustrie Unmengen Wasser ab, zum Teil aus dem Nationalpark Doñana in Andalusien (Südspanien), der zum Weltnaturerbe gehört. Der Nationalpark beherbergt eine einzigartige Vielfalt an Lebensräumen: In den Wäldern, Wanderdünen und Sumpfgebieten leben unzählige Arten. Der illegale Wasserraub droht dieses fragile Ökosystem zu zerstören. Geht es nach der andalusischen Regionalregierung, soll noch mehr Wasser für die Erdbeerzucht verbraucht werden.
Spanien litt in diesem Sommer ohnehin unter einer monatelangen extremen Dürreperiode, während der Trinkwasser in Teilen des Landes knapp wurde. Darum müssen die Supermarkt-Riesen nun Konsequenzen ziehen und auf ökonomischen Druck setzen – mit einem Verkaufsstopp für Dürre-Erdbeeren.
Auch der Umweltverband WWF sieht den Nationalpark gefährdet und setzt sich für strengere Kontrollen der Lebensmittelhändler in den Anbaubetrieben ein. Der WWF nimmt jedoch eine widersprüchliche Haltung ein. Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit EDEKA ist der WWF sehr zurückhaltend im Bezug auf den Boykott von Supermarkt-Erdbeeren. Rund 500 EDEKA-Produkte tragen das Panda-Siegel des WWF als Zeichen für umweltschonende Produktion.
Auch in Deutschland wird Trinkwasser durch die trockenen Sommer der letzten Jahre knapp,
dadurch dass der Grundwasserspiegel sinkt.
Im Landkreis Lüneburg wollte der Getränkegigant Coca-Cola einen weiteren Brunnen
bauen, um seine Wasserentnahme deutlich zu erhöhen. Die Bürgerinitiative "Unser Wasser"
stellte sich dagegen. Der Protest wirkte, im Jahr 2022 gab Coca-Cola seine Pläne auf.
Update 06.11.2023: Die andalusische Regionalregierung hat das Gesetz zur Wasserentnahme aus dem Nationalpark Doñana inzwischen zurückgezogen.