Nach einer Analyse der Schweizer Organisation Public Eye und dem Internationalen Aktionsnetzwerk zur Säuglingsnahrung (IBFAN) setzt der Nahrungsmittelkonzern Nestlé in Ländern des globalen Südens seiner Babynahrung Zucker zu. Betroffen seien Entwicklungs- und Schwellenländer, westliche Länder wie Deutschland dagegen nicht. Eine frühzeitige Gabe von Zucker bei Kleinkindern erhöht das Risiko zahlreicher chronischer Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten, weshalb die WHO es ausdrücklich in Babynahrung verbietet. Public Eye fordert Nestlé dazu auf, "die Doppelmoral" zu beenden. Nestlé streitet die Ergebnisse der Laboranalysen nicht ab.
Die untersuchten Folgemilchprodukte für Kleinkinder (Marken: Cerelac und Nido) enthalten in Afrika, Asien und Lateinamerika durchschnittlich fast 2 Gramm Zucker pro Portion, wobei Cerela-Babyzerealien sogar fast 4 Gramm Zucker pro Portion enthalten. In Deutschland und den wichtigsten europäischen Märkten wurde kein Zucker in diesen Produkten gefunden.
Der Umsatz des Nahrungsmittelriese Nestlé sank im ersten Quartal 2024 auf Jahressicht um fast sechs Prozent auf 22,1 Milliarden Franken. Nestlé hat seine Preise im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent erhöht. Die Preiserhöhungen wurden jedoch von ungünstigen Wechselkursen praktisch aufgefressen. Die Inflation der vergangenen zwei Jahre dämpfte die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Getränken. Die Verbraucher reagierten, indem sie auf preisgünstigere Marken oder Eigenmarken auswichen.
Ein andere Grund für die verhaltene Nachfrage könnte der Skandal um Nestlé's Mineralwasser anfang des Jahres sein. Nestlé hatte verunreinigtes Wasser mit illegalen Methoden desinfiziert, etwa mit UV- oder Kohlefiltern. Betroffen waren die Marken Perrier, Vittel, Hepar und Contrex. Le Monde und France Info hatten den Fall Ende Januar ans Licht gebracht. Nestlé gab zu, die verbotenen Methoden bei Mineralwässern angewendet zu haben. Es geht aber nicht nur um Betrug, sondern um ein Gesundheitsrisiko durch verseuchtes Wasser. Die französische Lebensmittelbehörde ANSES hatte den Berichten zufolge bereits im vergangenen Oktober auf Verunreinigungen des verwendeten Quellwassers mit Fäkalien, Escherichia Coli-Bakterien und Pestiziden hingewiesen. Trotzdem verkaufte das Unternehmen das Wasser weiter als natürliches Mineralwasser, nachdem es desinfiziert wurde. Eine Praxis, die für Mineralwasser in der EU verboten ist.
Unterschreiben Sie Petition von Public Eye und IBFAN, damit Nestlé die Zugabe von Zucker und Süssungsmitteln in Folgemilchprodukten und Babynahrung sofort beendet.