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Samstag, 24. Januar 2026

Nestlé der Babykiller schlägt wieder zu

Nestlé ruft weltweit über 800 Babynahrungsprodukte zurück – wegen einer möglichen Belastung mit dem bakteriellen Giftstoff Cereulid. Betroffen sind die Säuglingsnahrungsprodukte Beba und Alfamino aus mehr als zehn Fabriken in rund 60 Ländern. Der Giftstoff Cereulid kann bei Babys zu Erbrechen und Durchfall führen. In hohen Konzentrationen kann es zu schwereren Krankheitsverläufen kommen. Der Rückruf betrifft Produkte mit bestimmten Chargennummern und Mindesthaltbarkeitsdaten. Es ist die bisher grösste Rückrufaktion in der Geschichte des Unternehmens. Laut Verbraucherorganisation foodwatch wussten Nestlé und die Behörden offenbar schon Wochen vorher von der Gefahr, aber informierten die Öffentlichkeit erst Anfang Januar.

Schon am 9. Dezember 2025 hatte Nestlé den niederländischen Behörden gemeldet, dass bei internen Tests eine Verunreinigung festgestellt wurde. Trotzdem gab es weder in den Niederlanden noch in Deutschland einen öffentlichen Rückruf. Die österreichischen Behörden fanden am 16. Dezember die gleichen Verunreinigungen in Produktproben von Säuglingsnahrung, die aus Deutschland kam. Es ist also davon auszugehen, dass sowohl Nestlé als auch die Behörden in Deutschland schon seit Mitte Dezember wussten, dass auch deutsche Produkte betroffen sind. Dennoch wurden Eltern nicht gewarnt. Erst am 5. Januar 2026 begann Nestlé damit, die Babynahrung öffentlich zurückzurufen.

Die Ursache der Verunreinigung ist laut den Behörden ein belasteter Rohstoff. Doch woher er stammt, war zunächst unklar – Nestlé und die Behörden konnten den Ursprung nicht nachverfolgen. Dabei schreibt das EU-Recht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe vor. Mittlerweile wurde bekannt, dass es bei einem Zulieferbetrieb von Nestlé zu einer Verunreinigung eines Inhaltsstoffes (Arachidonsäure) mit dem Bakterium Bacillus cereus kam, welches das hitzestabile Cereulid bilden kann. Der von Nestlé zunächst verheimlichte Zulieferbetrieb ist die chinesische Firma Cabio Biotech mit Sitz in Wuhan. Tatsache ist jedenfalls, dass Nestlé selbst für die mikrobiologische Sicherheit der Inhaltsstoffe als auch des Endprodukts verantwortlich ist. Hersteller sollten außerdem regelmäßig von zuständigen Behörden inspiziert und unabhängig geprüft werden, was im Fall von Cabio Biotech offenbar nicht passierte.

Arachidonsäure (kurz ARA) kommt natürlich in Muttermilch vor. Industriell hergestellte ARA ist in der EU zugelassen als optionale Zutat in Säuglingsnahrungsprodukten, gehört aber nicht zu den vorgeschriebenen Zutaten. Es wird von Herstellern häufig zugesetzt, um das Produkt als besonders "ahnlich wie Muttermilch" zu bewerben. Die hohe Zahl der Kontaminationsausbrüche bei Babymilchprodukten in den letzten Jahren verdeutlicht systematische Versäumnisse bei der Herstellung, der regulatorischen Überwachung, den Rückrufsystemen sowie bei der Krisenkommunikation. Die weltweite Online-Werbung und der Verkauf von Babynahrungsprodukten über soziale Medien verschärfen diese Probleme.

Nestlé spielt die Krise herunter. Angeblich seien bislang keine Erkrankungen oder Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr bekannt und der Rückruf sei eine reine Vorsichtsmassnahme. Krankheitsberichte in den sozialen Medien werden einfach ignoriert, selbst die auf Nestlé's eigener Facebook-Seite. Eltern sind verwirrt, verängstigt und schockiert, dass es zu einer Kontamination von Babymilchprodukten kommen konnte. Die Verzögerung beim Rückruf, der Mangel an Transparenz und roboterhafte KI-Antworten untergraben allesamt die Glaubwürdigkeit von Nestlé's Beteuerungen. Für den Lebensmittelriesen im sensiblen Markt für Babynahrung steht das kostbarste Gut auf dem Spiel – das Vertrauen der Eltern. Auch an der Börse wiegt das Reputationsrisiko schwer. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie des Lebensmittelriesens ein Minus von 5,57 Prozent. Die Babynahrungs-Sparte ist ein Teil von Nestlé Nutrition and Health Science, die 16,6% des Gesamtumsatzes (101 Milliarden USD im Jahr 2024) des Unternehmens ausmacht.

Der Konzern steht immer wieder wegen mangelhafter Produktsicherheit in der Kritik. Erst im November 2025 rief Nestlé Babymilch in Belgien und Luxemburg wegen möglicher Verunreinigung mit Cronobacter spp. zurück. Zudem konnte foodwatch in eigenen Tests krebsverdächtige Mineralöl-Rückstände in Nestlé-Babynahrung nachweisen. In den USA läuft aktuell ein Verfahren gegen Nestlé wegen Schwermetallen in Babynahrung. Nach einer Analyse der Schweizer Organisation Public Eye und dem Internationalen Aktionsnetzwerk zur Säuglingsnahrung (IBFAN) setzt der Konzern seiner Babynahrung Zucker zu, vor allem in Ländern des globalen Südens. Eine frühzeitige Gabe von Zucker bei Kleinkindern erhöht das Risiko zahlreicher chronischer Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten, weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es ausdrücklich in Babynahrung verbietet.

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