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Donnerstag, 19. September 2024

Mondelēz kriegt den Hals nicht voll genug

Russland ist ein Milliardengeschäft für Mondelēz. Die Einnahmen in Russland machen drei Prozent oder gut 1,5 Milliarde Dollar des jährlichen Gesamtumsatzes von 36 Milliarden Dollar aus. Auf Druck der ukrainischen Antikorruptionsbehörde und verstärkt durch den Boykott in skandinavischen Ländern (siehe Post vom 06. Juli 2023), hatte Mondelēz versprochen, sein Geschäft in Russland von den weltweiten Operationen bis Ende 2023 abzukoppeln. Doch die Trennung der Geschäftsbereiche gestaltet sich angeblich als schwierig. Die Russen kaufen noch immer Toblerone, die in der Schweiz hergestellt wurde.

Der Umsatz mit Milka Schokolade in Russland ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 5,2 Prozent gestiegen. Mondelēz stellt Milka in seiner Fabrik in Pokrov RU her, etwa 100 Kilometer östlich von Moskau. Doch in Russland verkaufte Milka Schokolade ist oft nicht in Russland hergestellt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Zolldaten, dass Mondelēz die Lieferung von Milka Schokolade nach Russland zwischen April 2022 und März 2023 von 9,7 Mio. Kilogramm auf 22,4 Mio. Kilogramm gesteigert habe. In einer Stellungnahme gegenüber Reuters sagte der Lebensmittelgigant, es sei möglich, dass Markenprodukte über Makler, sogenannte Graumarktimporteure, nach Russland gelangten.

Nach Angaben der ukrainischen Antikorruptionsbehörde (NACP) zahlte die russische Tochtergesellschaft von Mondelēz im Jahr 2022 rund 56 Millionen Euro Steuern an die russische Regierung und erwirtschaftete in dem Land rund 310 Millionen Euro Gewinn. Laut NACP nutzt Russland die Steuergelder unter anderem für Raketen im Krieg gegen die Ukraine.

Doch nicht genug mit der unmoralischen Abzocke in Russland. Mondelēz kann den Hals nicht voll genug kriegen. Auch in Europa hat der Schoko-Gigant jahrelang unlauteren Wettbewerb betrieben. Laut Ermittlungen der EU-Kommission hat der Konzern über Jahre hinweg den Wettbewerb verzerrt und seine Produkte künstlich teurer gemacht. Deswegen verhängte die Behörde am 23. Mai 2024 eine Strafe in Höhe von 337,5 Millionen Euro gegen den Konzern.

So hinderte das Unternehmen der Kommission zufolge seine Handelspartner daran, Mondelēz-Produkte in einem EU-Staat günstig einzukaufen und in einem anderen Land wieder zu verkaufen. Durch diese illegalen Praktiken konnte Mondelēz weiterhin höhere Preise für seine eigenen Produkte verlangen, was letztlich zum Nachteil der Verbraucher in der EU war. Das Verfahren gegen den Konzern lief bereits seit Januar 2021, wobei es um insgesamt 22 wettbewerbswidrige Vereinbarungen oder abgestimmte Verhaltensweisen zwischen 2012 und 2019 ging. Eine Vereinbarung habe beispielsweise angeordnet, dass Handelspartner von Mondelēz für Ausfuhren höhere Preise verlangen mussten als für Inlandsverkäufe.

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